green prosche

Schnelle Autos gehören zu unserem Life-Style. Wir können weiter voll Gas geben und ungebremst konsumieren. Wir müssen auf nichts verzichten und nichts verändern – schon gar nicht unsere coolen Images. Doch! Wir verleihen ihnen einen grünen Anstrich. Und alles ist gut!

“Verzichtet auf nichts und tut damit Gutes!” lautet der Tenor, in den Unternehmen einstimmen, um mit ihrem ökologischen Image ihre Produkte aufzupolieren und dem ungebremsten Kosumenten ein gutes Gewissen mitverkaufen. Was auf der Image-Ebene funktionieren mag, funktioniert allerdings meist nicht im Sinne echter Ökologie. Dies belegt der Artikel “Klein, aber oho (4): X-Leasing München” des greenpeace Lügendetektors.

eliasson ice BMW

Besonders schlau baut BMW sein Image als verantwortungsvolles und ökologisches Unternehmen auf. Mit dem „Your mobile expectations: BMW H2R Project” hilft ihnen Olafur Eliasson ihre Botschaft glaubwürdig zu kommunizieren – und verleiht obendrein dem BMW-Fahren und damit dem Fette-Autos-Fahren im Allgmeinen einen kulturellen Anstrich. Die Kunstwelt spielt bereitwillig mit. In der gesamten Presse finden sich fast ausschließlich Artikel, die Variationen oder Kopien der Pressemeldung von BMW sind. Denn wer wird schon Olafur Eliasson kritisieren. Er ist bereits eine unantastbare Icone (die würde ich mir auch kaufen, wenn ich BMW wäre).

Eliasson Your mobile Expectations

Guerilla Marketing auf ebay

Das System ganz verblüffend einfach nutzend, ist einer Kunststudentin eine wirklich gute guerilla marketing aktion auf ebay gelungen, die “Konsumverhalten hinterfragt, Auswirkungen auf unsere Gesellschaft sichtbar macht”, ebay aushebelt und für einiges Aufsehen (neon und saatchi), Auf- und Anregung gesorgt hat: fragen.

ebay (noch) vollkommen machtlos, weil alles ganz “ordnungsgemäss”, der potentielle Käufer ratlos, aufgebracht bis begeistert (ich frage mich ja nur, wie die eigentlich auf die Seite mit z. B. dem Pelzmantel kommen?) oder vollkommen abgestumpft.

Als ganz reguläres ebay- Mitglied angemeldet, wurden real existierende Markenartikel (Nike Turnschuhe, Pelzmäntel, Parfum, Handys etc.) wie üblich für die Auktion eingestellt und im ersten Abschnitt kurz beschrieben (”Sexy Adidas Bikini!”, “Wunderschöner Pelzmantel”, …) persi.
Dann aber folgten ausführliche Hintergründe zu Produktionsverhältnissen (Sweatboxes, Kinderarbeit, Tierversuche, Zucht- und Gerbmethoden) in Texten und zahlreichen, mehr als anschaulichen, abschreckenden Bildern mit den korrekten Quellenangaben.

Auch wurden verschiedene Kaufalternativen und die ausdrückliche Erklärung abgebeben, die Angebote seien “keine Fakes”, alle Objekte werden wirklich zum Kauf angeboten”. persi2

Die Entscheidung lag nun beim mündigen, informiertem Käufer mit dem traurigen Resultat: ein Pelzmantel ging für 120 Euro weg, Parfum für um die 10 Euro, die restlichen Artkel ebenfalls…!!!???

stumpfi

Mehr über die aktion unter powerseller08

Spektakel nach dem Tod

Nachtrag zu “Unwirklichkeiten 1: Tod“:

Was spricht aus dem medialen Erfolg des Projektes “The Great Pyramid“?

1. Es gibt einen Bedarf an alternativen Formen von Grabstätten. Die bestehenden Angebote der Kirchen und Städte erfüllen nicht die Bedürfnisse und Sehnsüchte vieler Menschen.

2. Tod und Trauer dürfen thematisiert werden. Die Inszenierung muss nur spektakulär genug sein und gleichzeitig Distanz schaffen. Die Medien sind offensichtlich voll von Tod und Leiden. Niemand stört sich daran, denn es ist ja alles weit weg. Man muss und kann nicht selbst eingreifen. Es berührt wortwörtlich niemanden. Ähnlich funktioniert The Great Pyramid. In ihr werden all die Toten weit weg geschafft. Dennoch sind sie gut sichtbar repräsentiert, denn die Pyramide ist in ihrer Monumentalität sensationell und kommt somit in “den Medien” optimal rüber.
Das Projekt steht also nicht etwa für einen neuen – wieder offeneren – Umgang mit Tod und Trauer. Vielmehr fügen sich damit diese Themen in die Logik des Spektakels ein. Tod und Trauer werden in der unmittelbaren Umgebung und direkten Auseinandersetzung weiterhin gemieden werden. Sie würden mit dem Weltzentralfriedhof endgültig ausserhalb des Alltäglichen gerückt werden. Und zum Ausgleich besuchen wir dann den “Themepark” des Todes, was dann sicher ein “ganz tolles Erlebnis” gewesen sein wird.

Unwirklichkeiten 1: Tod

Tod und Trauer sind bekanntlich Themen, die in unserer Gesellschaft wenig populär sind. Ewige Jugend hingegen scheint zwingend, alles Andere wäre eine Belastung, mit der sich niemand auseinandersetzen möchte. Performance und Fun bis zum Ende. Und selbst dieses wird jetzt weniger bitter: denn danach geht’s weiter! Das Ego darf sich auch über den Tod hinaus nähren – bis in alle Ewigkeit – als Teil der “Great Pyramid“.

 The Great Pyramid Online

Die eigene körperliche Existenz zu überdauern konnten die ägyptischen Pyramiden nur wenigen versprechen. Nun steht dieser Weg allen Menschen offen. Statt unseren Körper verscharren oder seine Asche ausstreuen zu lassen, können wir als kleiner Stein der Pyramide Teil des sich stetig wandelnden und wachsenden Gemäldes unserer Spezies bleiben.Deutschland, das seinen Weg in die neue globale Welt nur schwerfällig findet, hat mit der Großen Pyramide wieder ein Projekt, das dauerhaft führend bleiben wird.

Ich dachte zunächst das Ganze sei ein Fake, ähnlich, wie die Inszenierung “Misson Eternity – crossing the deadline” von Uebermorgen.com, deren “Vision” hier als Video kommuniziert wird – “The Matrix” für Tote, die ewig leben wollen.
Misson Eternity

Doch The Great Pyramid ist “echt”, oder besser soll ein echtes Bauwerk werden.

A Tomb for All People

Dieser Entwurf ist von gesamtgesellschaftlicher Relevanz, mit ihm wird ein Schlussstrich unter die Jugendkultur gezogen. Welch ein Auftrag für ein deutsches Büro! Hier haben Architekten die Chance, ein „Las Vegas des Todes“ zu errichten, ohne sich mit Diktatoren und Frauenfeinden verbandeln zu müssen, lediglich mit einem 38-jährigen Jungen aus Bielefeld.

aus der Zeitschrift Bauwelt(Ausgabe 14 | 2008 PDF download)

Auf der Architektur-Site eikongraphia.com sind die Ergebnisse des Architekturwettbewerbes zu bewundern. Den Architekten WeiWei & Fake Design (sind die mit Ubermorgen verwandt?) scheint die Absurdität des Unternehmens nicht entgangen zu sein, wie ihre Illustrationen belegen:

Celebrate death as part of life

Doch dem Rest scheint’s ernst, oder?

Diagramm Pyramide

“Jeder soll mitmachen dürfen bei der künftigen Weihestätte der Egalität.” Frankfurter Rundschau (PDF Download)

Oder ist die Great Pyramid doch auch eine Projekt von Uebermorgen, nur eben noch viel besser als Mission Eternity, weil glaubwürdiger inszeniert, viel diskutiert und auch ernsthaft umstritten, wie auch an den vielen Reaktionen in der Presse zu sehen ist?

De-Branding @ Bozen

Brandzeichen lassen sich nicht ausradieren. Man kann sie aber überlagern, sie verfremden oder ihnen andere Zeichen entgegen setzen. Man kann sich ihres Codes für eigene Zwecke bemächtigen. Man kann sie überhaupt erst als Brandzeichen entlarven und ihr Verhältnis zwischen Kreatur (Rindvieh / Konsument), Kreateur (Cowboy / Designer) und kreatowner (Landbesitzer / Auftraggeber) erkennbar machen. De-Branding will diesen Kreislauf stören und damit bei allen Beteiligten neue kreative Prozesse hin zu einer neuen ‘Brand-Mündigkeit’ (oder ‘Brand-Müdigkeit’?) anstoßen.

de-branding kreislauf

Im Anschluss an den Vortrag wird der Filme „Culture Jamming - Media Actionism in the 21st Century“ von David Schwertgen gezeigt. Außerdem wird es Ausschnitte aus den Filmen „Nikeground – Rethinking Space“ von 01.org und dem institute for new culture technologies/t0 und „The Yes Men“ zu sehen geben.

Für mein Buch De-Branding suche ich Fotos. Welche und wozu versuche ich im folgenden kurz zu skizzieren. Doch zunächst ein paar Worte zu De-Branding, Branding und dem Buch.

De-Branding
“Images” sind kollektive Vorstellungen zu Produkten, Unternehmen, Ländern, Persönlichkeiten und allem Möglichen. Branding ist der Versuch diese Vorstellungen strategisch zu erzeugen und zu verändern. Allerlei Mittel dienen diesem Zweck – offensichtliche, wie Werbung und Sponsoring, sowie verborgene, wie “Product Placement” und “Advertorials”. Alles wird ‘gebrandet’: die Persönlichkeit, das Produkt, das Unternehmen und die Nation. Strategisches “Image Management” ist ein Paradigma. Omnipräsent und selbstverständlich.
De-Branding möchte dies bewusst machen – in Kritik und kreativer Praxis.

Das Buch
Mit dem Buch versuche ich das Thema De-Branding anschaulich und weitgreifend zu umreissen. Die Rolle von “Branding heute” wird analysiert. Kritische, subversive und kreative Auseinandersetzungen werden dargestellt. Aus Kritik werden Handlungsmöglichkeiten. Möglichkeiten des De-Branding werden anhand unterschiedlichster Arbeiten vorgestellt (von kleinen persönlichen Experimenten bis zu groß angelegten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen).
Das Zusammenwirken von Text, Typografie, Diagrammen und Fotografie soll die vielschichtigen Aspekte deutlich machen und Einstiegspunkte in das komplexe Thema bieten.

Fotografische Beobachtungen: Lebenswelten von Marken
Branding durchdringt alle Bereiche des Lebens. Menschen interagieren mit Marken. Menschen kommunizieren Mittels der Verwendung von Marken (bewusst und vor allem unbewusst). Die Phänomenologie dieses Spiels ist vielfältig. Es findet überall statt: im Badezimmer, in den Medien, in sozialen Netzwerken jeder Art, in der Schule, im Nachtleben, in Subkulturen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Sport, in der Kunst und überall, wo moderne Menschen interagieren.
Branding ist derart omnipräsent, daß es als selbstverständlicher Teil der Welt und des Lebens wahrgenommen wird. Es ist normal. Real. Fotografie kann dies bewusst machen. Abgelichtet werden Marken-Phänomene im Alltag. Sie werden neu erkennbar.
Jeder Fotograf sucht sich seinen Blickwinkel und seinen Bereich der Beobachtung. Parameter: wenig Inszenierung, viel Authentizität. Die Wahl des Blickes, der Zeit und des Kontextes sind die Inszenierung. Die Bilder sollen einen klaren lebensweltlichen Bezug haben – Marken im echten Leben. Gerade durch diese Erdung im Alltag werden Zusammenhänge zwischen Identitäten von Marken und Menschen deutlich, werden Übereinstimmungen und Widersprüche sichtbar.

Die fotografischen Beiträge
Eigenständige fotografische Arbeiten sollen ein Gegengewicht zu den teilweise abstrakt wirkenden Diskursen sein. Sie bilden den Rückbezug zur Wirklichkeit, wie wir sie kennen und gleichzeitig bieten sie für die Leser/Betrachter eine Gelegenheit diese zu reflektieren.
Wie viele Bilder jeder Fotograf beiträgt ist nicht definiert. Ein gutes Bild ist ebenso willkommen, wie eine umfangreiche Fotostrecke.

Interesse und Fragen
kris@de-brand.net

Digitales Soma

Frog's Brave New Mask

Technology can be used to combat this dangerous new environment [natural disasters etc.] – but also to escape from it. We already use mobile devices to provide on-demand escapism, channeling movies, music, and other distractions.

In diesem Sinne präsentiert die Design-Firma frog das Konzept “A Digital Escape” – die high-tec-Version der sprichwörtlichen rosa Brille – macht sogar postapokalyptische Zustände ganz wunderbar (zumindest optisch und olfaktorisch) – wobei heute eigentlich von einer grünen Brille gesprochen werden müsste.
Die ernsthafte Art mit der die ernsthafte Design-Firma frog das Konzept präsentiert macht es spannend und mehrdeutig. frog ist bekannt dafür Design in großen Zusammenhängen zu denken. Sie sind allerdings bisher nicht dadurch aufgefallen besonders gesellschaftskritisch zu sein. Digital Escape verstehe ich dennoch als bitter-witzige Kritik – eine Übertreibung und ein krasses Zukunftsszenario, das die Augen öffnen soll für die Gegenwart. Zukunftsszenario als “soweit kann’s kommen”-Warnung und Übertreibung dessen was ohnehin stattfindet: Flucht in künstliche Welten. Welten die strategisch konstruiert werden, um von den dahinter liegenden Problemen abzulenken.
Dabei scheint frog im Großen und Ganzen durchaus an eine schöne neue Welt zu glauben, wie sich an ihrem Magazin Design Mind sehen lässt. Aber Widersprüche seien erlaubt! Wir leben alle mitten drin.

null

Was man mit Brillen so alles machen kann … darauf aufmerksam machen, daß die Welt schöngefärbt wird und dies immer toller wird … oder, daß man die unbewussten Botschaften einer schöngefärbten Welt entschlüsseln kann.

Was ziehst du an?Aus “Branding von Hochschulen” von Carsten Müller:

Was vor wenigen Jahren bei Naomi Klein in ihrem zum modernen Klassiker der globalisierungskritischen Bewegung gewordenen Buch „No Logo!“ noch wie Ge-schichten aus dem fernen Amerika klang, wird zunehmend Realität – auch an Hochschulen in Deutschland: „Das Branding des Lernens“.

Werbeslogan des „Campus Contest 2008“ ausgerichtet vom Modelabel s.Oliver: „Macht Eure Hochschule zur Arena of Sound“. Der Text wirbt mit den Aussagen: „Planen statt pauken, konzipieren statt repetieren, selber machen statt zuhören“.

Revolutionen: Die Selbstbemächtigung der 68er wird verdreht zur Aufforderung an einer Kampagne aktiv teilzunehmen – selbst eine Rolle zu spielen. Das klingt nach Befreiung, Selbstbestimmtheit und Eigeninitiative – alles alte 68er-Werte. Nur das heute die Rollen und die Eigeninitiative von Marketing-Kreativen vordefiniert werden. Die Freiheit besteht nun darin mitzuspielen oder eben nicht. Zwang gibt es keinen. Nur Täuschung. Diese Instant-Versionen von Freiheit & Co sind reine Suggestion und haben mit echter Selbstbestimmung nichts zu tun. Sie machen das Leben aber einfacher – bieten Orientierung und geben Anleitung – so geht das – selbst nachdenken und kreieren scheint auch viel zu schwierig in Anbetracht solch wunderbar vorverdauter Image- und Erlebnisangebote. Und wieso auch nicht? Party macht doch Spaß! Egal wer die Zeche zahlt.
Deichclash
Carsten Müller analysiert die markentechnische Eroberung des wilden Studentenlebens anhand seiner Erfahrungen mit der Kampagne „Campus Contest 2008“ vom Modelabel QS der Firma S.Oliver (Bernd Freier GmbH & Co. KG) . Sehr lesenswert >> zum Artikel auf den nachdenkseiten.

de-branding 68

Gestern sprach ich (geboren 1968) auf dem Symposium 1968 heute. Die anderen Vortragenden waren intellektuelle Alt-68er [1], die sich damals theoretisch kritisch mit “den Verhältnissen” auseinandersetzten und auch praktisch versuchten dies mehr oder weniger radikal zu leben. Heute haben sie sich im Kultur- und Bildungsbetrieb etabliert.

Die Ganze Veranstaltung und Diskussion war für mich zunächst ein unheimlich desillusionierendes und frustrierendes Erlebnis.

Da das Thema 1968 heute lautete, hatte ich erwartet, daß auch über das Heute gesprochen werden würde. Anstatt dessen wurden Situation(en) und Gemütslagen von damals geschildert und immer wieder darauf hingewiesen, dass man diese differenziert betrachten müsse. Different waren dann die persönlichen Erlebnisse und Anekdoten tatsächlich, die den Großteil der zur Verfügung stehenden Zeit einnahmen. Die Geschichten waren allesamt interessant – so interessant wie Opas Geschichten vom Krieg. Doch diese höre ich mir lieber bei ‘nem Glas Wein an und nicht auf einem vermeintlich spannenden Symposium.

Wieso könnte ein Symposium zu 68 heute überhaupt spannend sein?

Weil
a) das, was unter dem Label 68 subsumiert wird, zu kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen geführt hat, die unsere Welt von heute prägen (wenn auch gänzlich anders, als die 68er sich das erhofft hatten)
b) seit 68 Kritik und Protest kaum mehr derart erfrischend formuliert und gelebt wurden, und die Verhältnisse in 2008 mindestens eben so viel davon vertragen könnten – nur eben anders. Denn einerseits sind die Verhältnisse heute Andere und anderseits haben mitunter die Utopien und das Engagement der 68er in das heutige Schlamassel geführt. Es geht nicht darum, ob und wie die 68er trotz bester Absichten am Heute Schuld sind, sondern was wir heute machen können, um aus dem Schlamassel rauszukommen.
c) es viel versprechend sein könnte die Kritik- und Utopie-Kompetenz von damals in das Heute zu transformieren – mit der Welt von heute zu konfrontieren – und daraus aktuelle Perspektiven der Kritik sowie Praktiken des Widerstandes und des Lebens zu entwickeln. Selbstverständlich nicht als eine Neuauflage von 68, sondern mit einem kritischen Blick auf das, was damals versucht, erreicht und eben auch nicht erreicht wurde.

Wahrscheinlich war es vollkommen naiv von mir irgendetwas dieser Art zu erwarten.

Dennoch hatte ich von Diskussionen vor Ort (auf dem Symposium und danach im Restaurant) mehr erwartet, als das, was mir die omnipräsenten 68er auf allen Kanälen vermitteln – nämlich wenig für heute Relevantes. An Stelle dessen: viele Anekdoten, mehr oder weniger intelligente Analysen von damals und davor (historisch) sowie wunderbar exotisch-unterhaltsame Dokumente einer vergangenen Zeit.

Wir müssen das jetzt wohl alleine machen [2].
Rat und Tat sind von den 68ern nicht zu erwarten – ausser frustriertes Gemoser über die jungen Leute, die nicht mehr zur Kritik fähig sind und überhaupt (darauf verzichte ich gern).
Da ist mir ja selbst die schamlose Instrumentalisierung von 68er-Images und -Styles lieber: Wildes Leben, Flower Power, Selbstverwirklichung, Freie Liebe, Protest und Revolution als sinnentleerte aber immer faszinierende Attitüden, die zur Image-Kontruktion von Brands verwendet werden. Diese Sachen machen irgendwie Spaß und gleichzeitig klar: diese Attitüden kann man für ernsthafte Anliegen (echten Protest, echte Kritik, echte Veränderung oder gar Revolution) nicht mehr verwenden. Lasst uns Spaß haben an dem Käse und ihn darüber hinaus nicht ernst nehmen. De-Branding möchte diese Haltung vermitteln – auf eine spaßige oder besser gesagt anschlussfähige Art und Weise. De-Branding möchte eine Brand-Mündigkeit. Deren (utopisches) Ziel ist die persönliche Identität frei von den strategischen Image-Anboten konstruieren zu können. Es geht aber nicht nur um den skeptischen Blick auf jedwede strategische Image-Konstruktion (=Branding). Es geht auch um den Blick dahinter. Um die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Zusammenhänge, in denen unser Konsumleben und das Treiben von Unternehmen und Politik stattfindet. Es geht darum dahinter die Mechanismen von Ausbeutung zu erkennen und Möglichkeiten zu finden dagegen zu handeln.

Da diese Begegnung der dritten Art vorerst zu der gerade skizzierten Auseinandersetzung geführt hat, war sie doch nicht vergeblich, sondern eigentlich recht inspirierend. Ich hoffe dies geht auch den anderen Beteiligten so (denen, die dabei waren und allen Anderen) und würde mich freuen weiter zu streiten ;-) Nutzt die Kommentar-Funktion !-)
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Und da Bildchen immer gut kommen, hier noch ein bisschen Material aus meinem Vortrag (der ganz in 68er-Manier recht collage-artig war, was zugegebenermaßen an der zu knappen Vorbereitungszeit lag).
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UschiChanel
Vorder- und Rückseite des SZ-Magazins zum Thema 1968 (Heft #08 22.02.2008)
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DieselAction!
“Diesel Action!” Kampagne von Diesel, 2003
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Che Fussmatte gefunden und besprochen von Johann Grenzfurthner
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www.revolution.com
www.revolution.com

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[1] mit Ausnahme von Dr. Klaus Klemp, der 1968 erst 14 war. Er hat ohne viele Anekdoten und ohne Pathos phantastische Plakate aus der Zeit gezeigt und besprochen.

[2] Prof. Dr. Klaus Kreimeier hat dies als Resümee offen zugegeben. Ebenso sind Dr. Cora Stephan und auch Prof. Dr. Karin Wilhelm einigermaßen unverklärt mit ihrer 68er-Vergangenheit umgegangen. Beide haben ihr 68 kritisch reflektiert, können daraus aber keine Perspektiven für 2008 entwickeln und gestehen dies auch offen ein (wenigstens ehrlich).

Die Images von 1968

oder
Achtundsechzig als Marke
als Vortrag auf dem Symposium 68 heute an der FH-Würzburg.

“Das wilde Leben”, “Revolution” und “Freiheit” und die dazu gehörigen Bilder sind Images und Attitüden geworden, die für so ziemlich für alles verwendet werden, nur nicht im Sinne ihre eigentlichen Sinnes.

De-Branding spricht

auf dem Basics-Festival in Salzburg. Thema des Jahres: Guerilla. Zum Vortrag:

de-branding kreislauf

De-Branding - Kreislauf der Wandlungen von Images
Brandzeichen lassen sich nicht ausradieren. Man kann sie aber überlagern, sie verfremden oder ihnen andere Zeichen entgegen setzen. Man kann sich ihres Codes für eigene Zwecke bemächtigen. Man kann sie überhaupt erst als Brandzeichen entlarven und ihr Verhältnis zwischen KreatUR (dem Rindvieh), KreatEUR (dem Designer) und kreatOYER* (Ben Cartwright) erkennbar machen. De-Branding will diesen Kreislauf stören und damit bei allen Beteiligten neue kreative Prozesse hin zu einer neuen “Brand-Mündigkeit” (oder Brand-Müdigkeit?) anstoßen…

Zuvor spricht Marcus S. Kleiner über “Kommunikationsguerilla. Semiotischer Widerstand und kommunikative Militanz

Ausweitung der Markenzone

infringement series: microsoft
Aus den Infringement Series von Perry Hobermann.

Mehr zum Thema Inbesitznahme der Sprache mit den Mitteln des Markenrechts im Artikel Ich© liebe Dich® von Jörg Auf dem Hövel auf telepolis.de

Gesundheitsvorsorge 2.0

Das US-Unternehmen Medical Adoptions bietet einen wunderbaren Service. Adoptiere ein armes Kind und reserviere Dir damit die Option auf ein vollkompatibles und gesundes Organ – ganz nach Bedarf. Motto: Tue gutes und hilf Dir selbst.
Die Testimonials sprechen dafür:

“Even though I’m in good health, I have a number of health risks and can’t face the risks of long donor lists. My young son from Uzbekistan is smart, ambitious, loving, and young enough that I’m sure to be safe until he turns 18 in 2022.”
Micah J. – Medina, Washington

Das Ganze wirkt erschreckend real. Muss aber ein Hoax sein, oder? Wer dahinter steckt, weiss ich nicht und habe im Augenblick auch keine Zeit für tiefere Recherchen. Sieht sehr nach Yes Men aus. In einem Forum wird gemutmaßt, was das sein soll und man kann auch sehen, daß die Strategie “Aufmerksamkeit durch Fake und Provokation” aufgeht. Aber vielleicht ist die Realität mal wieder krasser als jeder Fake – – – wer weiss mehr?

In bessagtem Forum behauptet ein gewisser “Anonymous Coward” er wär’s gewesen und weisst gleich auf ein paar weiter ambivalente Site hin:
www.15yroldvirgin.com
www.puppyprofits.com

hmmmm?

(@ Klaus: danke für den verwirrenden Link ;)

ONE PAGE MAGAZINE

Vom Konzept her nicht ganz neu (siehe City Wipeout), aber diessmal aufs Medium Magazin appliziert, One Page Magazine ist ein Projekt von Joseph Ernst, der Gewinner des aktuellen Sticker Awards.

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The Decapitator

via 81M80

In London in letzter Zeit taetig, brutales Adbusting. Mir wird schlecht :S

via: ekosystem

“When better than Christmas to make a point about hyper-consumerism?”

The US-Artsist Packard Jenkins designed an Anarchist Action Figure and
placed it in different Wal-Mart Stores in San Francisco.

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Mehr Liquidated Logos

via: ekosystem

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Bozen de-branding 2

Sobald hier eine neue Kampagne plakatiert wird, zieht der misterioese De-brander mit schwarzer Spuehdose durch die ganze Stadt. Die Aktionen haben offenbar einen religoesen Hintergrund und diesmal konnte ich zum ersten Mal eine seiner Botschaften entdecken. Spannend! Und, ich finde, sehr aesthetisch.

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via: rebel:art / Jason Salavon

Field Guide to Style & Color 2007
374 page book

This piece is a fullsize reproduction of the entire 2007 IKEA catalogue, leaving only color and structure.

With an estimated 175 million copies distributed in 2006, the IKEA catalogue is thought to have surpassed the Bible as the most published print-work in the world. This group of three projects (374 Farben, Field Guide to Style & Color, and Catalogue) transforms that ubiquity of design into varied pure color arrangements.

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